Haltungstipps
Anschaffung:
Kaninchen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 8 Jahren. Dies sollte jedem Käufer vor der Anschaffung bewusst sein. Gerade bei Kindern muss man damit rechnen, dass sie nach einiger Zeit das Interesse verlieren und sich nicht mehr um die Tiere kümmern. Daher sollten die Eltern die Tierliebe der Kinder teilen und notfalls bereit sein, die Pflege der Kaninchen zu übernehmen. Bitte klären Sie auch vor dem Kauf ab, ob möglicherweise eine Tierhaarallergie bei einem der Familienmitglieder vorliegt - sofern die Tiere im Haus gehalten werden.
Gesellschaft:
Kaninchen sind "Herdentiere", die in freier Wildbahn in großen Gruppen leben. Deshalb sollten sie unbedingt ein zweites oder auch mehr Kaninchen als Partner haben. Meerschweinchen sind keine Partner!!! Über kurz oder lang werden sie von den Kaninchen unterdrückt und sprechen auch eine andere Sprache, was oft zu Missverständnissen und Rangordnungsproblemen unter den Tieren führt.
Da die Vergesellschaftung von erwachsenen Kaninchen oft schwierig ist, sollten am besten gleich zwei Tiere angeschafft werden, die dann zusammen aufwachsen können. Am besten verstehen sich ein kastrierter Rammler und eine Häsin bzw. zwei frühkastrierte Rammler. Empfehlenswert ist die Frühkastration vor der 12. Woche, die aber nicht von jedem Tierarzt durchgeführt werden kann, da doch spezielle Kenntnisse nötig sind. Es empfiehlt sich, sich genau vorher zu erkundigen. Wird ein bereits geschlechtsreifer Rammler kastriert, so muss er nach der Kastration noch 4-6 Wochen von der Häsin getrennt bleiben, da er noch so lange zeugungsfähig ist!!! - Wir konnten immer wieder beobachten, dass die Vergesellschaftung von zwei erwachsenen Kaninchen (Häsin und kastrierter Rammler) problemlos funktioniert hat, wenn sie sich auf neutralem Boden kennenlernen durften. Gerade diese Konstellation ist optimal.
Nicht so empfehlenswert ist die Haltung von zwei Häsinnen, da diese doch sehr zickig werden können und in der Geschlechtsreife teilweise heftige Kämpfe austragen können. In diesem Falle empfehle ich wenigstens einen kastrierten Rammler dazuzusetzen, der dann ein wenig für Ausgeglichenheit und Ruhe sorgt.
Stall - Auslauf
Kaninchen sind sehr robuste Tiere, die problemlos das ganze Jahr über draußen leben können. Voraussetzung ist natürlich ein stabiler Stall, der Schutz vor Regen und Wind (Zugluft) bietet. Eine Isolierung ist nicht notwendig, aber ein Holzhäuschen mit viel Stroh sollte angeboten werden. Wenn die Kaninchen spätestens ab August dauerhaft draußen sind, bekommen sie ein wunderbar dickes Fell, das sie vor der Kälte schützt. Wir hatten schon Temperaturen von bis zu -20°C, die keine Probleme brachten. Meine Kaninchen haben trotzdem nachts noch draußen gesessen, um ja nichts zu verpassen. Sie haben sich wunderbar zusammengekuschelt und sich somit gegenseitig gewärmt. Gut ist in diesem Falle, einen Napf mit Trinkwasser reinzustellen, da die Nippeltränken sehr viel schneller einfrieren. Aus den Näpfen lutschen die Kaninchen noch das Eis, wenn sie Flüssigkeit brauchen, was bei den Nippeltränken natürlich nicht geht. Täglich sollte man 1-2 x das eingefrorene Wasser auftauen. Ich bin dazu übergegangen, in den Frostperioden eine Warmhalteplatte aus der Taubenzucht unter den Wassernapf zu stellen, der hält das Wasser frostfrei.
Im Sommer muss darauf geachtet werden, dass der Stall im Schatten steht. Empfehlenswert ist es auch, ein paar Steinplatten in den Schatten zu legen, denn diese spenden noch zusätzliche Kühle. Sie werden beobachten, wie die Kaninchen es lieben, auf diesen Steinplatten zu liegen. Außerdem lege ich an besonders heißen Tagen tiefgefrorene Wasserflaschen in den Stall, in deren Nähe sich gern die Kaninchen niederlassen, um etwas Abkühlung zu bekommen.
Ein Außengehege für 2-3 Kaninchen sollte möglichst mind. 6 m² groß sein, je größer umso besser.
Bei der Wohnungshaltung sollte darauf geachtet werden, dass die Kaninchen an einem ruhigen Platz stehen, aber nicht völlig abseits. Fernsehlärm ist nichts für Kaninchen, ebensowenig der Flur! Ein Käfig für zwei Zwergkaninchen sollte mind. 120 x 60 cm groß sein. Dazu muss aber täglich Auslauf angeboten werden, da ansonsten die Muskulatur der Hinterläufe nicht ausreichend trainiert wird und somit verkümmert.
Mein Mann hat kürzlich ein Innengehege für eine Bekannte gebaut, das eine sehr schöne Größe hat. Es ist 1,35 m x 2,00 m groß. Dazu noch möglichst täglicher Auslauf und die Kaninchen fühlen sich wohl. Hier zwei Fotos dazu:


Da Kaninchen sehr saubere Tiere sind, kann man sie problemlos in der Wohnung laufen lassen. Es ist dabei zu beachten, dass sie keine giftigen Pflanzen fressen können, keine Elektrokabel lose rumliegen oder ähnliches.
Im Sommer bietet sich im Garten auch ein Freigehege an, welches aber von oben mit einem Netz gesichert sein muss, um Greifvögel, Katzen ...keine Angriffsmöglichkeit bieten zu können. Da Kaninchen auch gerne buddeln, sollte das Freigehege auch gegen Durchbuddeln gesichert sein. Schon 15 min ohne Aufsicht - und das Kaninchen ist raus!
Futter
Das allerwichtigste ist Heu, Heu und nochmals Heu!!! Dazu noch Wasser und das Kaninchen ist überlebensfähig. Heu ist für die Verdauung und ausreichende Zahnabnutzung lebenswichtig und in einer Raufe am besten aufgehoben.
Das Wasser ist am saubersten in einer Nippeltränke vor Verschmutzung aufgehoben. Dazu muss man aber sagen, dass die Kaninchen wesentlich besser trinken, wenn das Wasser im Napf angeboten wird, da diese Körperhaltung mehr ihrem Naturell entspricht. Leider wird es so auch schneller verschmutzt.
Jungtiere in Aufzucht und Kaninchen in Außenhaltung (Wintermonate) müssen zusätzlich Pellets bekommen. Bitte nicht dieses bunte Futter aus der Zoohandlung kaufen, da dieses nur ein Fettmacher ist.
Zusätzlich sollten Kaninchen täglich Saft- bzw. Grünfutter in Form von Möhren, Äpfeln, Birnen, Chicoree, Fenchel, Löwenzahn, .... bekommen. Nachfolgend finden Sie eine wunderbare Aufstellung von geeignetem Futter:
Pflege
Die Zähne von Kaninchen wachsen ständig nach. Deshalb ist es besonders wichtig, dass auch für eine ausreichende Abnutzung der Zähne gesorgt wird. Neben dem Heu bieten sich da Zweige von Obstbäumen (siehe Futterliste) an. Nebenbei ist das Knabbern auch eine schöne Beschäftigung für die Kaninchen.
Auch die Krallen wachsen laufend nach. Wenn eine natürliche Abnutzung durch steinigen oder sandigen Untergrund (Außenhaltung) nicht gegeben ist, müssen die Krallen regelmäßig ca. alle 3 Monate gekürzt werden. Hierzu empfiehlt sich eine spezielle Krallenschere. Wichtig ist, dass man nicht in den durchbluteten Teil der Kralle schneidet, da das sehr schmerzhaft ist und zu Entzündungen führen kann. Traut man sich selbst das Krallenschneiden nicht zu, empfehle ich, einen Tierarztbesuch. Dort kann man sich das gut zeigen lassen.
Langhaarige Tiere wie Teddy, Angora oder Cashmere müssen mind. einmal pro Woche gebürstet werden, damit das Fell nicht verfilzt. Im Genitalbereich schneidet man das Fell am besten kurz. Im Sommer empfiehlt es sich, das Fell am gesamten Körper auf eine Länge von 2-3 cm zu kürzen, um einen Wärmestau zu verhindern. - Eine besondere Problematik ist bei den langhaarigen Kaninchen auch der Fellwechsel im Frühjahr. Da durch das Putzen auch Fell in den Magen gelangt, kann es zu einer Verstopfung kommen. Regelmäßige Gabe von Nagermalt soll diesem vorbeugen. Sollte Ihr Kaninchen auf einmal nicht mehr fressen, aber kein Durchfall und kein aufgeblähter Bauch erkennbar sein, so gehen Sie bitte zum Tierarzt. Möglicherweise sind zu lange Zähne Schuld aber genauso gut kann es auch eine "Fellverstopfung" sein. Katzen erbrechen dieses Fell, aber Kaninchen können nicht erbrechen und würden auf diese Weise jämmerlich verhungern.
Impfungen
Einmal im Jahr, am besten im April sollten Kaninchen gegen Myxomatose und Chinaseuche (RHD) geimpft werden. Diese Seuchen werden u.a. durch Wildkaninchen, Fliegen, Mücken oder auch durch infiziertes Grünfutter von einer Wiese übertragen. Deshalb kann man die Kaninchen davor nicht schützen.
Hierbei empfiehlt es sich, an einer Sammelimpfung bei einem Tierarzt teilzunehmen, da Großabpackungen deutlich preiswerter sind. Oder Sie wenden sich an einen Zuchtverein, der nochmals günstigere Konditionen anbietet, da hier noch mehr Tiere geimpft werden. Hierbei reicht die Preisspanne von einer Doppelimpfung beim Tierarzt in Höhe von ca. 25 € bis zu einer Doppelimpfung beim Zuchtverein in Höhe von ca. 4,00 €.
Sollten Sie diese Hinweise alle beachten, so haben Sie gute Chancen auf ein langes und freudvolles Leben mit Ihren Kaninchen.

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